Donnerstag, 11. April 2013

Das Polizeimuseum rät

Als ich letztens mein Kind aus der Grundschule abholte, fiel mir diese Broschüre in die Hände, die dort an die Kinder verteilt wird. Herausgeber ist der "Deutsches Polizeimuseum e.V.". Es handelt sich um eine als Ausmalheft getarnte Aufklärungsbroschüre.

Schon der Titel besticht: "Aufklärung gegen Gewalt an Kindern":. Eigentlich kann man im Deutschen ja nur über etwas aufklären, aber wahrscheinlich wollte man durch die gewählte Präposition seine Position noch deutlicher zum Ausdruck bringen. Da drückt der Deutschlehrer mal ein Auge zu; ist ja für den guten Zweck.

Als Untertitel findet sich dann ein elegantes Super-Kompositum namens "Eltern-Kind-Mal- und Informationsbroschüre". Da drückt der Deutschlehrer ein weiteres Mal ein Auge zu; jetzt sind beide Augen zu.

Wer die Augen wieder aufmacht, findet im Inhalt Strichzeichnungen zum Ausmalen, dazwischen seitenweise Werbung, z. B. für Immobilienmakler, Möbeltransporte oder "Die Deutschen Konservativen e. V.". Wirklich irritierend aber sind die Zeichnungen im Zusammenhang mit ihren Überschriften: So sieht man unter der Überschrift "Seid ihr alleine zu Hause, öffnet nicht die Tür" ein Kind, das einem Mann im Trenchcoat die Tür öffnet. Das mag das eine oder andere Kind irritieren, das Heft zieht diesen Stil knallhart durch.

Der Höhepunkt ist ein Bild mit der Überschrift "Seid ihr alleine in der Wohnung, dann lasst es lieber klingeln." Das Bild zeigt ein Kind, das einen Telefonhörer abnimmt, während seine Mutter daneben steht. Da hat man gleich in zweierlei Hinsicht das Gegenteil dessen illustriert, was man eigentlich sagen wollte.

Schon erstaunlich, was der Verein "Deutsches Polizeimuseum e. V." so leistet.

Kommentare:

  1. Und unter dem Trenchcoat ist der Sittenstrolch sicher nackt!

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    1. Er scheint zumindest eine Hose anzuhaben, soweit man das erkennen kann.

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    2. Er trägt sie leider wie ein Rapper. Also bund im Knie :)

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    3. Wenn er eine Hose anhat, dann ist er vom Verfassungsschutz ...

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    4. Kchchchchch... "nackt"..

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  2. "So sieht man unter der Überschrift "Seid ihr alleine zu Hause, öffnet nicht die Tür" ein Kind, dass einem Mann im Trenchcoat die Tür öffnet."

    Nachdem der Deutschlehrer seine Augen wieder geöffnet hatte, bemerkte er, dass er kein Deutschlehrer mehr war. Er hatte sich die "Regel" "nach dem Komma dass mit Doppel-S" zu eigen gemacht.

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    1. Danke für den wertvollen Hinweis, wenn er auch freundlicher hatte kommen können!

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    2. Wieso muß im Leben alles Freundlich sein.

      Der Hinweis war ganz neutral, sogar eher witzig formuliert.

      Richtig lustig ist aber erst Ihr Kommentar :-)

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  3. Äußerst seltsamer Verein. Er nennt sich in Frakturschrift "Deutsches Polizeimuseum" und bearbeitet das beliebte Neonazi-Thema "Kinderschänder" (wenn auch nicht unter dieser Bezeichnung) unbeholfen kontraproduktiv. Und die Homepage wirkt auch noch martialisch. Da war ich dann wirklich verblüfft, dort einen kritischen Artikel zur Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit der deutschen Polizei zu finden.

    Aber evt. erklärt ja die mutmaßliche Nähe zu den "Deutschen Konservativen" (Siegerist, Lummer) diesen widersprüchlichen Eindruck?

    Das Malbuch ist übrigens auszugsweise online. Die Werbung und die beiden von Ihnen beschriebenen Seiten fehlen dort.

    Das Heft sollte m.E. aus dem Verkehr gezogen werden. Ich weiß nicht, was heute der Standard für die Aufklärung von Kindern über Gefahren ist, aber verharmlosende Bilder, in denen man nette fremde Männer ausmalen muss, vor denen die Kinder im Bild offensichtlich keine Angst haben, dürften kaum dazugehören.

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  4. @anonym

    haha ... so ähnlich gings mir auch. "Unfassbar", dachte ich mir, "jetzt beschwert sich sogar der olle Nebgen über Rechtschreib- bzw. Grammatikfehler! Dabei hast du dich schon oft über dessen seltsame Rechtschreibung/Grammatik gewundert ..."

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  5. Die Frakturschrift fiel mir auch gleich auf, zum Polizeimuseum passt das ja immerhin.
    Den Blick auf die Rechtschreibung fand ich angebracht, zumal er die Sicht des Autors von oben herab erahnen lässt, ohne dass eine wirkliche Überlegenheit vorhanden wäre.
    Der eine Rechtschreibfehler hier deutet mehr auf Leichtsinn als auf sprachliches Ungeschick hin,
    das passiert jedem Vielschreiber jeden Tag mehrmals.

    Dank an den Autor, durch law blog entdeckt, komme jetzt öfters hierher.

    Gruß, m.w.

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  6. @ m.w.: "dem Autoren".

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  7. Lustig ist ja, dass das Deutsche Polizeimuseum damit Rechtsextremen eine Plattform gibt: "Die Deutschen Konservativen" tauchten in diesem Zusammenhang bereits in Verfassungsschutzberichten auf. Aber irgendwie passt das auch wieder...

    Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Deutschen_Konservativen

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  8. Diese Heftchen wird regelmäßig ungefragt und umsonst an Kindergärten (in Hamburg) verschickt.

    Was das kosten muss...

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  9. Ich komme aus einer Polizistenfamilie und beim Anblick solcher Machwerke steigt immer wieder dieses merkwürdige Gefühl in mir hoch. Es fühlt sich irgendwie nach 70ern, Angst und der Ahnung, Polizisten nähmen Aufgaben in einer Welt wahr, die sie nicht verstehen und daher einfache Bilder brauchen, an.
    Wenn ich heute zufällig mal einen jungen Polizisten kennenlerne, muss ich feststellen, dass die Welt kompliziertet geworden sein muss - die Bilder werden einfacher. An dieser Stelle darf noch einmal an die Posteraktion der "Jungen Polizei" aus Hannover erinnert werden.
    S

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  10. Die Frakturschrift ist so sehr Nazi, dass sie von den Nazis unerwünscht war und gegen die Antiqua ausgetauscht wurde.

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  11. Wenn man schon Frakturschrift verwendet, sollte man doch auch das lange S kennen, oder? Wenn man es dann auch richtig einsetzen würde, wäre es natürlich noch schöner...
    Deutſches Polizeimuſeum

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